Biogas und Biomethan im Umbruch:
Schlüsselressourcen für ein resilientes Energiesystem

Die Transformation des Energiesystems stellt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor neue Zielkonflikte zwischen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. In diesem Spannungsfeld rücken Biogas und insbesondere Biomethan als erneuerbare, speicherbare und systemkompatible Energieträger erneut in den Fokus. Sie können bestehende Infrastrukturen nutzen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung von Strom- und Gasversorgung. Der vorliegende Beitrag beleuchtet vor diesem Hintergrund den aktuellen Stand, die Herausforderungen und die Zukunftsoptionen der Biogas- und Biomethanbranche in Deutschland.

von: Manuel Maciejczyk (Fachverband Biogas e. V.)

 

Effiziente Integration von Offshore-Windenergie durch Offshore-Wasserstoffproduktion

Die Erschließung des Offshore-Windpotenzials Deutschlands und der Einsatz heimischer Elektrolyse sind entscheidend, um eine bezahlbare, sichere Energieversorgung zu erreichen und die deutschen Klimaneutralitätsziele für 2045 zu erfüllen. Hohe Investitionskosten für Netzanbindungen, wachsende Abregelung bei Stromüberschüssen und immer häufiger auftretende niedrige oder negative Strompreise stellen jedoch das bisherige Ausbau- und Anschlusskonzept der Offshore-Windenergie infrage. Eine Studie von Frontier Economics im Auftrag von AquaVentus hat vor diesem Hintergrund untersucht, inwieweit der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur und die Produktion von Wasserstoff durch Offshore-Elektrolyse die Gesamtkosten reduzieren können.
von: Robert Seehawer (AquaVentus Förderverein e. V.)

 

Abstände zwischen Gashochdruckleitungen und Windenergieanlagen

Durch den Ausbau des Leitungsnetzes für Erdgas und Wasserstoff werden neue Gashochdruckleitungen erforderlich, deren Plantrassen häufig Gebiete mit vorhandenen und geplanten Windenergieanlagen (WEA) tangieren. Da bei einem Schaden an einer WEA nicht ausgeschlossen werden kann, dass Teile herabfallen oder abgeworfen werden, besteht ein Risiko für Beschädigungen an nahegelegenen Gashochdruckleitungen. Geeignete Mindestabstände zwischen betreffenden Leitungen und WEA sind erforderlich. Die bisherigen Regeln aus dem Jahr 2015 decken die modernen Anlagen mit hoher Nennleistung und Größe nicht ab, da diese größere Nabenhöhen, Blatt- oder Gondelmassen aufweisen, als bisher berücksichtigt. Im aktuellen DVGW-Forschungsvorhaben G202418 wurde eine neue Grundlage für die Regelung der Abstände unter Berücksichtigung moderner Anlagengrößen verfolgt, die neben der einfachen Anwendung auch eine Abdeckung möglichst vieler Leitungs- und Anlagenkonstellationen ermöglicht. Im Rahmen dieses Fachbeitrages werden der neue Bewertungsansatz und die Ergebnisse vorgestellt.

von: Dr. Christian Mayer (TÜV Rheinland Industrie Service GmbH) & Dr. Jochen Stratmann (Open Grid Europe GmbH)

 

Zustand vor Alter: Erneuerung im Wassernetz strategisch steuern

Zahlreiche Bestandteile der Wasserinfrastruktur in Deutschland haben mittlerweile das Ende ihrer errechneten Lebensdauer erreicht und sind in wachsendem Umfang anfällig für Schadensereignisse. Zeitgleich sorgen externe Faktoren wie regulatorische Vorgaben, durch den Klimawandel bedingte Extremwetterereignisse und steigende Anforderungen an die Versorgungssicherheit dafür, dass der Erneuerungsbedarf der deutschen Wasserinfrastruktur zunimmt. Um vor diesem Hintergrund gut für die Zukunft aufgestellt zu sein und die eigenen Ressourcen optimal zu nutzen, hat die TWS Netz GmbH für ihr Versorgungsnetz eine datenbasierte, zustands- und risikoorientierte Erneuerungsstrategie eingeführt. Der Fachbeitrag berichtet von den dabei gemachten Erfahrungen und geht der Frage nach, ob der gewählte Ansatz auch auf andere Wasserversorger übertragbar ist.
von: Michael Scheible (TWS Netz GmbH)

 

Wiederinbetriebnahme stillgelegter Brunnen und Quellfassungen

In Zeiten der zunehmenden und länger benötigten Spitzenverbräuche denken viele Wasserversorgungsunternehmen und Kommunen über eine Wiederinbetriebnahme von stillgelegten und noch nutzbaren Gewinnungsanlagen nach. Aufgrund der zunehmend restriktiven Handhabung von Neuerschließungen ungenutzter Grundwasservorkommen und von Neuerteilungen von Wasserrechten durch die Behörden ist eine erneute Nutzung stillgelegter, aber technisch noch geeigneter Brunnen und Quellfassungen eine interessante Option. In diesem Fachbeitrag werden die Voraussetzungen, Restriktionen und Maßnahmen bis zu einer erfolgreichen Wiederinbetriebnahme von länger stillgelegten, noch nutzbaren Trinkwasserfassungsanlagen zur Spitzenabdeckung der Trinkwasserversorgung beleuchtet.

von: Prof. Dr. habil. Christoph Treskatis (Technische Universität Darmstadt)

 

Wärmepläne sind keine Stangenware: Auf maßgeschneiderte Lösungen kommt es an

Die Wärmewende ist in vollem Gang – besonders in Nordrhein-Westfalen. Laut KWW-Wärmewendeatlas der dena von Dezember 2025 liegt Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von aktuell 13 Prozent abgeschlossener Wärmepläne deutlich vor dem Bundesdurchschnitt mit nur acht Prozent. Während die gesetzlichen Fristen für die kommunale Wärmeplanung je nach Größe der Kommune noch drei bis 27 Monate laufen, wird schon an vielen Stellen in NRW mit der Umsetzung begonnen. Die Kommunen haben als planungsverantwortliche Stelle eine zentrale Rolle bei der Ausrichtung der künftigen Wärmeversorgung. Gemeinsam mit ihren Partnern vor Ort, den Stadtwerken oder örtlichen Energieversorgern und Netzbetreibern sowie weiteren relevanten Akteuren entwickeln sie die Strategie, um bis 2045 klimaneutral zu sein.
von: Sigrid Lindner (NRW.Energy4Climate)

 

DVGW Metra: eine digitale Plattform zur Reduzierung des bürokratischen Aufwands bei der Umsetzung der EU-Methanemissionsverordnung

Mit dem Inkrafttreten der EU-Methanemissionsverordnung (MethanVO) entsteht für Gasnetzbetreiber erstmals ein europaweit harmonisierter Rahmen zur Identifikation, Dokumentation und Reduzierung von Methanemissionen. Die Artikel 14 und 15 definieren umfangreiche Pflichten zur Durchführung von LDAR-Programmen (Leak Detection and Repair) und zur Meldung von Ausblase- und Abfackelvorgängen. Damit verbunden sind neue Melde- und Dokumentationsanforderungen, zusätzliche Fristen und ein deutlich gesteigerter Verwaltungsaufwand. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die DVGW Service & Consult GmbH die digitale Plattform „DVGW Metra“ entwickelt – ein zentrales Werkzeug, das regulatorische Anforderungen der MethanVO abbildet und Prozesse für Netzbetreiber wie Aufsichtsbehörden effizienter und transparenter gestaltet.
von: Frank Birnmeyer (DVGW Service & Consult GmbH)

 

Portal Green II: Leitfadenfamilie für die Genehmigung und Technik von Wasserstoffleitungen und PtG-Anlagen

In den beiden Forschungsvorhaben PORTAL GREEN II und PORTAL GREEN wurde eine Leitfadenfamilie mit fünf Dokumenten entwickelt, die genehmigungsrechtliche und technische Anforderungen an Wasserstoffleitungen, Power-to-Gas-Anlagen und wasserstoffbezogene Anwendungen systematisch aufbereitet. Grundlage sind Analysen von Rechts- und Technikrahmen sowie der bisherigen Genehmigungspraxis. Die Leitfäden bieten Orientierung bei Verfahrenseinordnung, Unterlagenerstellung sowie technischer Bewertung und benennen zugleich bestehende Unsicherheiten und offenen Klärungsbedarf, etwa zur Auslegungspraxis, Normung und Schnittstellen zwischen Rechtsgebieten.
von: Josephine Glandien (DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH), Janosch Rommelfanger (DVGW e. V.) & Dr. Florian Berchtold (Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit gGmbH)

 

PFAS-Entfernung mittels Hohlfaser-Nanofiltrationsmembranen

Zur Einhaltung der künftig geltenden Grenzwerte für die Summenparameter PFAS-20 und PFAS-4 wurde der Einsatz von Hohlfaser-Nanofiltrationsmembranen (NF) als mögliches Aufbereitungsverfahren untersucht. In Pilotversuchen mit einem kommerziellen NF-Modul erfolgte die Erprobung an vier Standorten unter wasserwerksspezifischen Betriebsbedingungen. In allen Versuchsläufen konnten die geforderten Zielkonzentrationen für PFAS-20 und PFAS-4 sicher eingehalten werden. Für die im Projekt untersuchten Wasserbeschaffenheiten zeigte sich der Einsatz der Hohlfaser-Nanofiltrationsmembran als geeignetes Verfahren zur PFAS-Entfernung.
von: Patricia Riede, Dr. Pia Lipp (beide: TZW: DVGW-Technologiezentrum Wasser) & Tim Sewerin (NX Filtration)

 

Laufende und geplante CCS-Projekte in Europa und der Welt

Die Umsetzung von CO2-Abscheidung und -Speicherung schreitet international in zunehmendem Tempo voran. Bereits heute sind weltweit 65 Anlagen im Betrieb, darunter 33 in Nordamerika, 16 in China und 9 in Europa. Weitere 42 Anlagen befinden sich aktuell im Bau, während sich über 600 Projekte in unterschiedlichen Planungsphasen befinden. Global gesehen gelten die USA, Kanada, China, Dänemark, die Niederlande und Norwegen aktuell als führend bei der Anwendung von CCS-Technologien.
von: Weltenergierat – Deutschland e. V.

 

Strömungsanalyse eines Gasdruckregelgerätes mit Wasserstoff

Die Umstellung bestehender Erdgasnetze auf Wasserstoff stellt neue Anforderungen an die eingesetzten Komponenten und Betriebsmittel der Gasinfrastruktur. In diesem Beitrag werden die strömungsmechanischen Auswirkungen einer leistungsäquivalenten Umstellung von Erdgas auf Wasserstoff anhand einer numerischen CFD-Analyse untersucht. Aufgrund des geringeren volumetrischen Brennwertes von Wasserstoff wurde der Volumenstrom gegenüber Erdgas entsprechend erhöht, um eine vergleichbare Transportleistung sicherzustellen. Trotz erhöhter Strömungsgeschwindigkeiten zeigen die Ergebnisse vergleichbare Druckverteilungen und Strömungsbilder. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern eine geeignete Grundlage für den Einsatz bestehender Gasdruckregelgeräte im Wasserstoffbetrieb.
von: Hendrik Wolf (Hünxe)

 

Messung von Methanemissionen im deutschen Gasverteilnetz: Ergebnisse des DVGW-Forschungsprojekts ME DSO 2.0

Im August 2024 ist die EU-Methanverordnung in Kraft getreten. Sie verpflichtet Betreiber von Gasverteilnetzen zur jährlichen Berichterstattung über ihre Methanemissionen. Die Anforderungen stellen viele Verteilnetzbetreiber vor große Herausforderungen und die Durchführung eigener Messkampagnen ist mit organisatorischem und finanziellem Aufwand verbunden. Der Beitrag zeigt vor diesem Hintergrund, wie vorhandene DVGW-Forschung (ME DSO 1.0 und 2.0) eine Grundlage für eine effiziente Umsetzung in Deutschland bieten kann.
von: Stefanie Lehmann & Charlotte Große (beide: DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH)

 

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