„Coming Home“ – selten war ein Motto so vielschichtig wie jenes, mit dem der DVGW seinen Kongress im September 2025 überschreibt. Nach Stationen in Berlin und Köln kehrt die deutsche Gas- und Wasserwirtschaft zurück in ihre Bonner Heimat – in jene Stadt am Rhein, die für politische Verlässlichkeit und Energiepolitische Weichenstellungen steht. Das World Conference Center Bonn (WCCB), wo die Vereinten Nationen Klimakonferenzen austrugen, wird zwei Tage lang zum Treffpunkt einer Branche, die im Spagat lebt: zwischen Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung, zwischen Netzrealität und politischem Erwartungsdruck.
Deutschland verfügt mit seinem engmaschigen Erdgasnetz über eine gut ausgebaute Infrastruktur zum Transport von Gas bis hin zum Endverbraucher. Die Länge des Erdgasnetzes beträgt inklusive der Hausanschlussleitungen über 600.000 km. Um die Potenziale von Wasserstoff in allen Anwendungsbereichen optimal nutzen zu können, müssen die Transport- und Verteilinfrastrukturen zu wasserstofftauglichen Systemen weiterentwickelt werden. Dazu sind der Um-, Aus- und Zubau von Netzen als wesentliche Schritte notwendig. Aufgrund ihrer guten Verlegeeigenschaften und der guten Druck- und Langzeitbeständigkeit werden heute bei Neubau- und Sanierungsmaßnahmen im Druckbereich < 10 bar vor allem Rohrleitungen aus Polyethylen (PE) eingesetzt. Vor diesem Hintergrund haben das Kunststoff-Zentrum SKZ und die DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH gemeinsam mit den Herstellern
in dem durch den DVGW geförderten Forschungsvorhaben „KuGas – Mehrschicht-Kunststoffrohre für die Gasversorgung“ Mehrschichtrohre für die Verteilung von Wasserstoff und Methan untersucht und bewertet.
von Dr. Mirko Wenzel (SKZ – KFE gGmbH), Andreas Bilsing (DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH) & Werner Weßing (Office for Green Gas)
Die aktuelle Anpassung der beiden DVGW-Arbeitsblätter G 614-1 und -2 an die europäischen Funktionalnormen DIN EN 15001-1 und -2 sowie die Erweiterung des Anwendungsbereichs auf Wasserstoff bieten Anlass, die rechtlichen und regelwerksbezogenen Anforderungen an Leitungsanlagen auf Werksgeländen gezielt aufzugreifen. Der Geltungsbereich des Energiewirtschaftsgesetzes endet nicht an der Grundstückgrenze zum Werksgelände. Damit ist das DVGW-Regelwerk auch für Energieanlagen auf Werksgeländen anzuwenden. Für an die öffentliche Gas- und Wasserstoffversorgung angeschlossene Industrie- und Gewerbebetriebe ist dies im Hinblick auf Planung, Bau, Prüfung sowie Inbetriebnahme und Betrieb von Gasleitungsanlagen von Bedeutung.
von Kai-Uwe Schuhmann, Sophia Behrends (beide: DVGW e. V.) & Jürgen Klement (Ing. Büro Klement)
The gas industry is at the heart of one of the most profound transformations in modern energy history. In this interview, Andrea Stegher, President of the International Gas Union, and Prof. Dr. Gerald Linke, Chairman of the Board of the German Association of Gas and Water (DVGW) and Regional Coordinator Europe of IGU, discuss the challenges and opportunities facing Europe and the world. From hydrogen-ready infrastructure to the concept of “360° sustainability”, they highlight the importance of balancing security, affordability, and climate action. Both stress that innovation, global cooperation, and stable regulatory frameworks are vital to achieving net-zero targets. Their message is clear: the energy transition will succeed only if we expand options—not impose bans.
Mit der im Oktober 2024 erfolgten Genehmigung des Wasserstoff-Kernnetzes beginnt eine neue Etappe für den Aufbau einer Wasserstoffversorgung in Deutschland. Während für die Fernnetzbetreiber bereits klare und tragfähige Rahmenbedingungen geschaffen wurden, fehlt bislang eine angemessene Berücksichtigung der Verteilnetze. Da die meisten Gaskunden nicht direkt über das Wasserstoff-Kernnetz versorgt werden können, wird dem Gasverteilnetz voraussichtlich auch künftig eine bedeutende Rolle zukommen. Um eine sichere, wirtschaftliche und effiziente Infrastruktur zu gewährleisten, wäre es vorteilhaft, zeitnah geeignete Rahmenbedingungen zu definieren und zu implementieren.
von Weltenergierat – Deutschland e. V.
Ein breites und umfassendes Angebot an erneuerbaren Energien, gut ausgebaute Strom- und Gasnetzinfrastruktur, eine Anbindung an das Wasserstoff-Kernnetz sowie die Möglichkeit zur Wasserstoffspeicherung (Kavernen) machen
den Nordwesten Niedersachsens zu einer prädestinierten Region für die Ansiedlung von Wasserstoffprojekten. Für die lokale Wasserversorgung stellt dies gleichwohl eine Herausforderung dar: Das für die Wasserstoffherstellung benötigte
Wasser muss sowohl in hinreichender Qualität als auch ausreichender Menge zur Verfügung stehen, um einen reibungslosen Betrieb der Elektrolyseanlagen sicherzustellen. Der vorliegende Fachbeitrag beschreibt in diesem Kontext,
wie der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband als regionaler Versorger mit dieser Herausforderung umgeht.
von Kerstin Krömer, Lars-Ole Steffen, Kirstin Leverenz (alle: Industriewasserversorgungsgesellschaft Nordwest-Niedersachsen mbH) & Minori Matoba (Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband)
Die Emscherregion zählt zu den am dichtesten besiedelten und infrastrukturell hoch entwickelten Räumen Deutschlands. Mit rund 2,7 Mio. Einwohnern zwischen Dortmund und Duisburg ist sie zugleich besonders vulnerabel gegenüber extremen Hochwasserereignissen. Die Flutkatastrophe im Juli 2021 in Westdeutschland hat die Dringlichkeit eines robusten und zukunftsfähigen Hochwasserrisikomanagements erneut unterstrichen. Die Emschergenossenschaft
reagierte darauf mit der Entwicklung und Umsetzung der Roadmap Krisenhochwasser, einem umfassenden strategischen Konzept zur Stärkung der Hochwasserresilienz in Zeiten des Klimawandels.
von Georg Johann, Hans-Gerd Frings, Adrian Treis, Prof. Dr. Issa Nafo, Dr. Frank Obenaus & Angela Pfister (alle: Emschergenossenschaft und Lippeverband)
„Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung“, sagte einmal der griechische Philosoph Heraklit. Und obwohl er damals sicherlich nicht an die Wasserversorgung in europäischen Städten dachte, trifft seine Aussage auf die heutige Situation vieler Wasserversorgungsunternehmen zu. Denn der Wasserbedarf hängt von vielen Faktoren ab, die sich über die Zeit verändern. Dazu zählen die wachsenden Bevölkerungszahlen in großen Städten ebenso wie die Auswirkungen des Klimawandels. Das betrifft auch Österreichs Hauptstadt Wien, die zweitgrößte Stadt im deutschen Sprachraum. Deren Basis für die moderne Trinkwasser-
Infrastruktur wurde vor 150 Jahren mit der Inbetriebnahme der I. Hochquellenleitung gelegt.
von Katja Dämmrich (Stadt Wien – Wiener Wasser)
Um die Resilienz der öffentlichen Wasserversorgung gegenüber Extremereignissen zu verbessern, wurden in dem vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Forschungsprojekt TrinkXtrem Softwaretools sowie Methoden und Konzepte entwickelt. Die an TrinkXtrem beteiligten Wasserversorgungsunternehmen versorgen ca. zehn Prozent der Bevölkerung Deutschlands mit Trinkwasser. Der vorliegende Fachbeitrag gibt einen Überblick über die Forschungsergebnisse und zeigt auf, wie diese in Zukunft in der Praxis der deutschen Trinkwasserversorgung angewendet werden können.
von Dr. Uwe Müller, Friederike Brauer, Dr. Beate Hambsch (alle: TZW: DVGW-Technologiezentrum Wasser), Dr. Tim aus der Beek (IWW Institut für Wasserforschung gGmbH), Christoph Czichy (MOcons GmbH & Co. KG), Tim Jupe (Universität Stuttgart), Dr. Ulrich Lang (Ingenieurgesellschaft Prof. Kobus und Partner GmbH), Dr. Andreas Lange (Harzwasserwerke GmbH), Dr. Wolfram Seitz (Zweckverband Landeswasserversorgung), Natalie Wick & Dr. Jörg Bork (beide: Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz GmbH)
Einschlägige Klimaneutralitätsszenarien identifizieren Wasserstoff (H2) als wichtigen Energieträger zum Erreichen der Klimaneutralität. Dabei rückt auch kohlenstoffarmer – blauer – Wasserstoff aus nicht erneuerbaren Energiequellen zunehmend in den Fokus der Diskussion, häufig im Hinblick auf einen schnelleren
Wasserstoffmarkthochlauf und geringere Kosten. Die zunehmende Diskussion um blauen Wasserstoff zeigt sich auch im delegierten Rechtsakt der EU zu kohlenstoffarmen Brennstoffen, der die Emissionsgrenzwerte definiert und Anfang Juli 2025 von der EU-Kommission vorgelegt wurde.
von Carina Schmidt, Dr.-Ing. Ann-Kathrin Klaas, Felix Schäfer & David Wohlleben
(alle: Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln gGmbH (EWI))
Bereits seit dem Jahr 1984 prämiert der DVGW herausragende Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten, die einen klaren Bezug zum Gas- und Wasserfach haben. Die Nachwuchsförderung hat im Verein eine lange Tradition: In seiner 166-jährigen Geschichte hat der DVGW etliche Generationen junger Ingenieurinnen
und Ingenieure gefördert – sowohl während ihrer Ausbildung als auch beim Berufseintritt und bei der Vernetzung in der Energie- und Wasserwirtschaft. Dies ist ein Zeugnis dafür, dass dem DVGW die Bedeutung der Fachkräftesicherung für die gesamte Branche bewusst ist und die Einbindung bestens ausgebildeter akademischer Nachwuchskräfte in der Regelwerkserstellung als essenzieller Bestandteil gilt.
von Ulrike Holtkamp (DVGW e. V.)